„Fragile - handle with care“

32. Deutscher Nachwuchswettbewerb für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein 2021

DAS THEMA:

„Fragile - handle with care"

Auch beim Nachwuchswettbewerb waren sowohl die Edelsteingestaltung als auch die Gestaltung eines Schmuckstücks mit Edelsteinen erlaubt. Somit waren ungefasste Edelsteine, der Edelstein im Schmuckstück, das Edelsteinobjekt und die Edelsteinskulptur zugelassen. Die Verwendung von Synthesen war möglich. Perlen durften nur in Verbindung mit Edelsteinen verwendet werden.


   1. PREIS: ALINE STANEK
BAUMHOLDER, URKUNDE UND 1500 EURO

Ein handwerklich perfektes drehbares Edelsteinobjekt, welches die Zerbrechlichkeit unserer Welt durch den die Jahreszeiten verändernden Klimawandel symbolisiert, ist nach Ansicht der Jury die beste Arbeit des diesjährigen Nachwuchswettbewerbes. Die Sommer werden länger, die Winter kürzer, was die ungleich große Aufteilung der Jahreszeiten zeigt, die die in der Mitte des Objektes befindliche Welt aus Azurit-Malachit umschließen. Die Preisträgerin mahnt: „Ein zerbrechliches Konstrukt, denn unsere Welt hat gerade wegen uns eine riesige Last zu tragen.“ Die Jurymitglieder Katja Binder und René Conradt lobten die „ineinander verschwimmenden Jahreszeiten aus unterschiedlichen puzzleartig angeordneten Edelsteinen mit ihren amorph verlaufenden Trennlinien, die die hochaktuelle Problematik des Klimawandels großartig veranschaulichen.“ Die Preisträgerin ergänzend: „Die Übergänge zwischen den Jahreszeiten zeigen keine klaren Konturen mehr und Wetterlagen sind sehr durchwachsen. All dies erkennt man in dem zackigen Mosaik aus Bergkristallen, die mit all ihren Wolken und Fehlern das Leben der Menschheit im Wandel darstellen.“ Die Jury sah in dieser handwerklich-technisch imposanten Arbeit auf allerhöchstem Niveau das Wettbewerbsthema perfekt getroffen und entschied mit großer Stimmenmehrheit.

   2. PREIS: SIHUI LI, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 1000 EURO

Brosche aus Achat und Stahl

Fragile menschliche Knochen stehen im Mittelpunkt dieser - wie es Jurymitglied Željko Gregurek, formulierte - „handwerkwerklich toll ausgearbeiteten Brosche mit ihrem durchaus morbiden Charakter“, die mit großer Stimmenmehrheit den 2. Preis des Nachwuchswettbewerbes errang. Für die Preisträgerin zeigt diese Arbeit „die Zerbrechlichkeit des Menschen, die sich in Zufälligkeiten des Schicksals verwirklichen kann und was zurückbleibt ist nur das Skelett.“ Jurymitglied Dr. Ulrike Koch-Brinkmann fand ebenfalls lobende Worte: „Für mich gibt diese Arbeit, die mir sehr gut gefällt, das gestellte Wettbewerbsthema in geradezu perfekter Form wieder. Die Materialbearbeitung ist sehr gekonnt und experimentierfreudig, auch wenn diese Brosche mit ihrer verspielten Mechanik bedingt durch die Material- und Farbauswahl etwas düster erscheint.

 

   3. PREIS: AYLIN YURTSEVEN, DORTMUND,URKUNDE UND 500 EURO 

Haarkamm aus Silber, Aquamarin und Turmalinen

Mit dem 3. Preis des diesjährigen Nachwuchswettbewerbs wurde ein Haarkamm ausgezeichnet, bei dem - so die Preisträgerin - „der ovale Silberdraht fließend in die Form einer Libelle mit ihren zarten und leicht zerbrechlichen Flügeln übergeht.“ Jurymitglied Katja Binder: „Eine sehr filigrane und formschöne Arbeit mit zarten Farben der verarbeiteten Edelsteine. Die Libelle ist leicht und luftig und hat eine positive Ausstrahlung.“ Für den Preisträger ist die Libelle trotz ihrer Zartheit ein Ausdruck für Lebenskraft und Harmonie. „Die Edelsteinfassungen, die den Körper der Libelle darstellen, sind beweglich und lassen sie dadurch lebendiger und dynamischer erscheinen.“ Die Jury, die auch hier das Wettbewerbsthema ausgezeichnet getroffen sah, entschied mit großer Stimmenmehrheit.

 

   BELOBIGUNG:

JESSEY DORIAN DILLY, KRONWEILER, URKUNDE UND 250 EURO

Edelsteinobjekt aus Tigerauge und synthetischem farblosen sowie blauen Quarz

„Planet Earth kennt man seit der Mondlandung und wir alle wissen, wie zerbrechlich unsere Erde ist. Die gedankliche Umsetzung des Wettbewerbsthemas ist dem Preisträger sehr gut und mit hoher Symbolkraft gelungen“, lautete das Statement von Juror Johann Willsberger zu diesem Edelsteinobjekt. Der Preisträger möchte mit seiner Arbeit, bei der der blaue Planet über einer transparenten und zerrissenen Quarzscheibe zu schweben scheint, insbesondere daran erinnern, dass „weiterhin wahllos Ressourcen ausgebeutet werden, ohne Gedanken auf die Langzeitfolgen zu verschwenden. Wir, die Menschen sind dafür verantwortlich, dass unsere Welt sich ändert.“ Die Jury honorierte auch die klare Formensprache neben der handwerklich überzeugenden Gestaltung und entschied mit großer Stimmenmehrheit.

   BELOBIGUNG:

KEVIN-STEVE HAFFNER, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 250 EURO

Halsschmuck aus kaffeefarbenem Achat, weißem Opal und Edelstahlseil

„Für mich ist diese Arbeit jugendlich-frisch und überraschend, das Wettbewerbsthema exzellent und sehr kreativ mit einer perfekten Edelsteinbearbeitung umgesetzt“, lobte Jurymitglied Željko Gregurek. Pfiffig und mit einem Augenzwinkern erläutert der Preisträger seine Arbeit: „Montagmorgen - für viele beginnt der Tag mit einer Tasse Kaffee. Alles muss schnell gehen, noch 5 Minuten…und dann passiert es: Ein falscher Griff und der wertvolle Wachmacher endet in einer Pfütze und dabei ist auch noch die Lieblingstasse zerbrochen.“ Dieser Unfall wurde mit einer zerbrochenen Tasse aus weißem Opal und kaffeefarbenem Achat in einem Schmuckstück inszeniert. Die Jury entschied auch hier mit großer Stimmenmehrheit.

   BELOBIGUNG:

CHI NGUYEN, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 250 EURO

Collier aus Weißgold, Silber, Federstahl, Brillant, Satin, Epoxidharz, Magneten, Elektronikteilen

„Da hat sich jemand unglaublich viele Gedanken gemacht, ist sehr tief in die Umsetzung eingestiegen, handwerklich perfekt und als Schmuckstück sehr gut tragbar“, lautete das spontane Urteil von Jurymitglied Johann Willsberger. Die Preisträgerin zu ihrer Arbeit „Verschlossene Seele“: „Unsere Seele ist fragil, Leid und Schmerz können uns verschließen. Das Collier besteht aus einem Anhänger in Muschelform, der sich öffnen lässt und das geschützte Innere offenbart, die Seele. Eine filigrane Figur bildet das Zentrum. In ihrer Brust ist ein kleiner Brillant gefasst, aus dem ein zartes Licht strahlt, welches die Figur behutsam zu halten versucht. Die fließenden Farben in der geöffneten Muschel symbolisieren Emotionen und Ereignisse, die das Seelenleben beeinflussen und formen.“ Die Jury entschied auch hier mit großer Mehrheit der Stimmen.