"1001 Nacht"
56. Deutscher Schmuck- und Edelsteinpreis
DAS THEMA:
„1001 Nacht“
Es waren sowohl die Edelsteingestaltung als auch die Gestaltung eines Schmuckstücks aus Edelmetall und Edelsteinen erlaubt. Somit waren ungefasste Edelsteine, der Edelstein im Schmuckstück (hier durften nur Edelmetalle verwendet werden), das Edelsteinobjekt und die Edelsteinskulptur zugelassen. Die Verwendung von Synthesen war nicht erlaubt. Perlen durften nur in Verbindung mit Edelsteinen verwendet werden.
1. PREIS:
NANA PRESTEL, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 4000 EURO
Anhängerschmuck bestehend aus Gelbgold und Tigerauge
„Scheherazade“ hat die Preisträgerin ihre Arbeit überschrieben, bei der es sich nach einhelliger Meinung der Jury um die beste Arbeit des diesjährigen Hauptwettbewerbs handelt. Die kluge Scheherazade heiratet den König und erzählt ihm jede Nacht eine Geschichte, die sie an der spannendsten Stelle unterbricht. Dadurch verschiebt der König deren Hinrichtung immer wieder und gibt letztlich sein düsteres Vorhaben auf. „Durch ihre Intelligenz und ihre Erzählungen erhellt ihre innere Sonne die Nacht und so kommt Licht in das verhärtete Herz des Königs“, so die Preisträgerin. „Ich habe mir die Eigenschaften des Steins zu Nutze gemacht, um diese Situation zu verdeutlichen. Bewegt man den Stein nach rechts oder links erhellt sich das Gesicht der jungen Frau. Sie fängt buchstäblich an zu strahlen, genauso wie ihre Erzählungen.“ Wie auch die anderen Jurymitglieder zeigte sich Jurorin Dr. Heide Rezepa-Zabel von der Umsetzung des gestellten Wettbewerbsthemas mit dem verwendeten Tigerauge beeindruckt: „Dieser ist in Schichten aufgebaut, und es ist der Preisträgerin gelungen, die Lagen des Steins so zu nutzen, dass sie die Gegensätzlichkeit von Tag und Nacht sowie Licht und Schatten zeigen. Die Geschichten von Scheherazade sind inspirierend und haben existenziellen Inhalt. Das Farbspiel des handwerklich perfekt gestalteten gravierten Tigerauges ist wunderbar und die verwendete Kette hat zudem etwas Martialisches. Eine Arbeit mit großem Tiefgang und einer neuen Interpretation.“ Jurymitglied Scott Wempe ergänzte: „ein wirklich überzeugendes Stück, dass die mystische Stimmung von 1001 Nacht wunderbar aufgreift. Es ist komplett anders und neu gedacht und gerade die Verwendung eines eher einfachen Steins macht das Werk so außergewöhnlich.“
2. PREIS:
MIRIAM KRASENBRINK, ESSEN
URKUNDE UND 2500 EURO
Ring aus Silber mit blauen, gelben, grünen und orangefarbenen Saphiren sowie Granaten
„Auf dem fliegenden Teppich durch 1001 Nacht“ hat die Preisträgerin ihre Wettbewerbsarbeit genannt, bei der Jurymitglied Michael Seubert „das gestellte Wettbewerbsthema perfekt getroffen und liebevoll visualisiert“ sah und Jurykollege Frank Frühauf auch die handwerklich herausragende Qualität dieser „fantasievollen und bezaubernden Arbeit, die uns in die Märchenwelt von 1001 Nacht entführt“, unterstrich. Die Preisträgerin lässt zu ihrem prämierten Schmuckstück folgendes wissen: „Bei meiner Wettbewerbsarbeit handelt sich um einen Ring, der über zwei Finger getragen wird. In dem Ring sind zwei bekannte Gegenstände aus den Märchen aus 1001 Nacht verarbeitet: die Wunderlampe mit dem Dschinn,“ einem übernatürlichen Wesen aus der arabischen und islamischen Mythologie „und der fliegende Teppich. Der über der Lampe schwebende Teppich soll durch die vielen verschiedenfarbigen Saphire, die in Einzelinkrustationen gefasst sind, an einen Orientteppich mit seinen vielen Farben und Ornamenten erinnern. Am Rand des Teppichs sind Granate eingefasst, die den Ornamenten in der Mitte einen Rahmen geben.“ Die Jury entschied mit großer Stimmenmehrheit.
3. PREIS:
CHRISTINE CLAUSSEN, KONSTANZ
URKUNDE UND 1500 EURO
Anhängerschmuck aus Gelbgold, Silber, Brillanten, Tsavoriten und Saphiren sowie UV-polymerisierenden Farben
„Sesam öffne dich!“, die berühmte Zauberformel aus Alibaba und die 40 Räuber, mit der dem Helden der Zugang zu dem verborgenen Schatz gelingt, stand bei dieser Wettbewerbsarbeit Pate. Die Preisträgerin erläutert hierzu: „Historisch geht der Spruch „Sesam öffne dich!“ auf die Sesampflanze zurück. Die Sesamsamen wachsen in der Samenkapsel heran, bis diese platzt und ihre Samen freigibt, sofern sie ausgereift sind und berührt werden. Unscheinbar und verborgen von außen, offenbart sich, wenn man ins Innere gelangt, die ganze Pracht, frei nach dem Motto „wahre Schönheit kommt von innen“. Frank Frühauf lobte die „kreative, aufwendige und handwerklich vorzügliche Umsetzung des gestellten Wettbewerbsthemas“, während Jurykollege Scott Wempe hervorhob, „dass das Stück im Inneren einzigartig ist, bunt, farbenfroh lebendig und die äußere Form demgegenüber stark reduziert ist. Ein tolles und zugleich modernes Stück, was sich auch tagtäglich gut tragen lässt.“ Die Jury entschied auch hier mit großer Stimmenmehrheit.
BELOBIGUNG:
VIOLA BERGMANN, HAMBURG
URKUNDE UND 500 EURO
Collier aus Weiß- und Gelbgold mit weißen und orangefarbenen Mondsteinen, blauen und gelben Saphiren, weißen und champagnerfarbenen Brillanten
Die orientalische Märchensammlung von 1001 Nacht kreist um das Schicksal der klugen Scheherazade, die bei dieser handwerklich herausragenden Wettbewerbsarbeit im Mittelpunkt steht. Die Preisträgerin beschreibt: “Auf der einen Seite geht der Mond auf, in weißem Mondstein, umgeben von nachtblauen Saphiren. Die Nacht bricht an, still und dunkel. Auf der anderen Seite die aufgehende Sonne, erst sanft in orangefarbenen Mondsteinen, dann mit immer stärkerem Leuchten aus gelben Saphiren, warm, strahlend, gewiss. Das Mittelteil besteht aus Sternen in Weiß- und Gelbgold mit weißen und gelben Brillanten. Kleine Hoffnungsfunken, die den Himmel beleben und den Weg weisen. So erzählt das Collier von der Nacht und vom Morgen, von Hoffnung, die mit jeder weiteren Geschichte von Scheherazade wächst. Es steht für Kreativität, Mut und die Zuversicht, dass auf jede Nacht ein Morgen folgt.“ Jurymitglied Scott Wempe lobte die wunderschöne Interpretation des Themas. Diese Arbeit besticht durch ihre Proportionen, die ganz besondere Auswahl der verwendeten Edelsteine und thematisch genau dort anzusetzen, wo gerade die Geschichte von Scheherazade in 1001 Nacht immer wieder aufhört.“ Die Jury entschied mit großer Stimmenmehrheit.
BELOBIGUNG:
Kenneth Jones, Idar-oberstein
URKUNDE UND 500 EURO
Schmuckstück aus Gelbgold und Resin als Trägermaterial
„Diese Wettbewerbsarbeit wagt einen spannenden, extravaganten, kreativen und erfrischenden Blick auf das gestellte und gut getroffene Wettbewerbsthema und die dahinter stehende Geschichte, was mich vollends überzeugt hat“, lautet das Urteil der Jurorin Gesa Hufmann. Inspiriert wurde der Preisträger – wie viele andere Teilnehmer/innen – „von der Erzählerin Scheherazade, die den Kreislauf der Gewalt durch Klugheit, Mut und der Kraft des gesprochenen Wortes durchbrach. Mit ihren Geschichten rettete sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das vieler anderer Frauen. Ihre Geschichte zeigt, dass Worte eine enorme Kraft besitzen, die Macht haben, Menschen zu verändern und Hoffnung zu schaffen, wo sie verloren scheint. Deshalb habe ich mich für Zahnschmuck in Form von „Grillz“ entschieden. Der Mund ist der Ursprung unserer Worte, durch ihn teilen wir unsere Gedanken, Gefühle und Erinnerungen. Ein Lächeln kann verbinden, ein Satz Trost spenden und eine Geschichte Leben verändern.“ Die Jury entschied auch hier mit großer Stimmenmehrheit.
BELOBIGUNG:
Susanne Müller-Ostgen, Sonnenberg-winnenberg
URKUNDE UND 500 EURO
Anhängerschmuck aus Gold, Silber vergoldet, Lapis-Lazuli, Rubin, Bergkristall, Perlmutt und Falkenauge
Voller Poesie beschreibt die Preisträgerin ihre aufwendige und handwerklich fabelhafte Arbeit, die sie mit „Lotusmond“ überschrieben hat: „In der anmutigen Form einer orientalischen Lampe entfaltet sich eine Szene von Stille, beinahe mystischer Schönheit: ein verborgener Innenhof, fernab von Zeit und Lärm. In seinem Zentrum ruht ein Teich, dessen Oberfläche sanft das Licht einfängt. Daraus erhebt sich eine Lotusblume – Sinnbild für Reinheit, Erneuerung und spirituelle Tiefe. Ein Mosaik aus schimmerndem Perlmutt und Falkenauge umrahmt elegant das Wasser. Zwei kunstvoll platzierte Spiegel zieren den Innenhof und vervielfachen das Bild der Lotusblume auf poetische Weise. Ein Fenster offenbart den Zauber der Nacht. Ein tief blauer Himmel mit glitzernden Sternen. Darauf schwebt ein goldener Mond. Ruhig und erhaben wacht er über die stille Szene im Inneren. Dr. Heide Rezepa-Zabel zeigte sich von der spirituellen Tiefe und erzählerischen Kraft dieser Wettbewerbsarbeit beeindruckt, die den Betrachter in eine atmosphärisch dichte, orientalisch geprägte Bildwelt entführt. Der komplexe Anhängerschmuck überzeugte die Jury zudem durch die gelungene Verbindung verschiedenster Materialien und Bearbeitungstechniken. Die präzise handwerkliche Ausführung, die sorgfältige Materialwahl und die konsequente Umsetzung des gestalterischen Konzepts führten dazu, dass die Jury die Arbeit mit großer Stimmenmehrheit auszeichnete.
Fotos: CH-Photodesign Cornelia Heinz, Idar-Oberstein